pappelschnee            
dtp digitale theorie und praxis
smtp sinnmaschinentextpassagen
cpu chronologie programmatischer unternehmungen
 
  pappelschnee smtp die ihren kopf an den geldautomat schlagen  
   
 

DIE IHREN KOPF AN DEN GELDAUTOMAT SCHLAGEN

Sind es nicht die Silberlinden, die zum Problem für die Tiere werden. Sind es nicht die Downhiller, die ihre Irrsinnsabfahrtsstrecken in den Wald schlagen. Sind es nicht die Kinder der Mörder. Es sind die Kollegen im lettischen Parlament, es ist die lettische Regierung, es sind die Menschen in der lettischen Verwaltung. Sind es wirklich die Halsketten, die Norwegerpullover, Brillen, Strickjacken oder Kleider mit den Polka Dots. Es sind aber nicht die dots per inch, es sind die Leuchtaugenfische der Gattung Procatopus, die Maße der Standardcrashtestdummies, es sind die alten Weisen im Wind von fern. Es sind die das Schlachtfeld als Spielplatz benutzen.

Sind es wirklich die Statolithen, die durch Verlagerung die gravitrope Reaktion induzieren. Sind es wirklich die Megaeinkaufszentren und Multiplexgroßanlagen, sind es nicht die Klischees. Es sind die Nächte, die mich schauern lassen. Sind es nicht die selbst geschaffenen Zwänge. Denn es sind Bojen gesetzt. Es sind Gebrauchsspuren auf Chinaplagiaten, es sind die monströsen Berichte. Es sind die zerstörten Häuser von Chortiatis. Es sind die Menschen, die in ihnen gewohnt haben. Es sind auch Frösche, die laut quaken. Es sind auch Hände an Altaren, die man berühren darf. Es sind auch Fäden, die im Nichts verlaufen. Es sind auch Hoden dran, so daß sie ganz realistisch aussehen.

Sind es nicht die Tierhaare, die das Immunsystem verrückt spielen lassen. Es sind aber nicht die langen seidigen Haare der Raupe. Es sind aber nicht die Milben selbst, sondern deren Ausscheidungen. Es sind aber nicht die Pollen, die krank machen, sondern bestimmte Eiweißstoffe. Es sind aber nicht die Produkte selber, die den Kern des Geschäfts ausmachen, es ist die Beseitigung von Schwund und Verschwendung. Es sind aber nicht die Ratten selbst, die unsere Abwehr hervorrufen, es sind von seltenem Licht geliehene Farben. Es sind auch gar nicht die Motten, die an den Textilien nagen, es sind die Raupen, die Triebfunktionen, es sind die Todeskommandos.

Man wühlt sich durch einen Haufen Müll, um eine Perle zu finden – alles ist so absurd geworden, nirgends gibt es so viel Disziplin, so schöne Kanaldeckel und darunter ein so perfektes Abwassersystem, nirgends gibt es eine solche stockwerkhohe Ansammlung von dilettantischem Können, es fehlen die Infrastrukturen für die einfachsten Dinge. Der Code steuert die Funktionen, jedoch es fehlen die Tasten. Die Bilder, die hier fehlen, sind im Kopf. Hier fehlen die blutigen Details: Haken im Hals, das zappelnde Opfer, die Nahaufnahmen der Einschüsse; die Schmetterlinge füllen scheinbar zufällig den Raum, mobile Röntgenstationen, die das Unterbewußte anzapfen, einen Hauch von Nichts als Kostüm.

Es sind die Reisekosten, Fahrzeugmieten, Mieten für die Locations, die Mieten für Geräte, der Aufwand für die Nachbearbeitung, Versicherungen und die Handlungskosten. Es sind nicht die Sturmfluten, es sind die Ölbohrungen, die Tankerreinigung auf See. Es sind die radikalen Gruppen, die Steine der Weisen, alte Bäume mit großen Löchern; es sind die Sonnenstrahlen, die hindurchschimmern. Es sind die Ausgleichsgewichte für Autoreifen, die Sinnverschiebungen, die Variablen einer Gesellschaftslogik, die sich selber frißt. Es ist der Höhepunkt des Drucks.

Es sind die Blicke, die beleidigen, die Baumärkte in den grenznahen Regionen, die illegal Beschäftigten. Es sind die Ergebnisse der amtlichen Untersuchung des Phytoplanktons, die Blauwale und Delfine, die Riesenkraken. Es sind die finsteren Zeiten, deutsche Version. Es sind die Schulden, die jede Sekunde steigen. Es sind die technischen Daten, Klirrfaktor, Betrugsbekämpfung, Ruhegehälter. Es sind die Medien, die den Fraß fressen. Es sind die Reste eines Dorfes, das dem Stausee weichen muß. Es sind die zum Zeitpunkt des Durchbruchs der Wohnungstrennwand geltenden baurechtlichen Bestimmungen.

Es sind die Mauern von Rom, die Kraftwerke der Zellen, die permanenten Vergiftungen des Verstandes, die abgebrannten Figuren auf der Praça Roosevelt in São Paulo, Brasilien, die Bedürftigen der Welt und ihre Chance für die Zukunft: Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Automatisierung; Worte wie Geister von Verstorbenen führen sanft durch die eh schon labile Region, das Wunderland nah am Kollisionspunkt. Es ist aber nicht nur der Rost, der die Metallteile zerfrißt, es sind nicht nur die Büttel, die das Joch predigen, rauschende Lüfter als Soundtrack zur Apokalypse; nicht nur die Ratten verlassen das Schiff.

Es sind die Stereotypen, die ihr Geheimnis hüten. Es sind die Schmerztherapeuten. Es sind die Ruhelosen der Erde. Es sind die Säulen der Welt. Ein neues Lächeln aus dem Computer vollendet die Austreibung des Teufels.

08. jul 2004


co-autor google
druckversion



last update: 14. sep 2007