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DIE GESELLSCHAFT IST DER SPIEGEL DER GESELLSCHAFT

Wir haben das Tor zum Frieden durchschritten,
wir haben Europa zurechtgerückt.


Es folgen verschiedene Anwendungsbeispiele für Sender, Kanal, Empfänger, Muster von Standards an Bord von Raumschiffen, Codierung, Decodierung, Karteninterpretation, Textverstehen, Raumkognition, Alltagsgedächtnis, Ad-Hoc-Zeichensprachen, Informationstechnik, Simulationen, Animationen, Phonetik, Graphemik und Morphologie, Sprachphilosophie, Ethik, Logik, Programmiersysteme, analytische Reproduktion psychologischer Faktoren, Bürgerbeteiligung, Repräsentation, Multimodalität, Telekinese, Multimedia, Elektrizität, Atomkraft, likovna umjetnost i pedagogija, Rhythmik, Arhythmie, Editoren für nichtlineare Texte, Protokollfamilien, Cybernarien, Datenaustausch Boden-Luft-Boden, pixelbasierte Schnittstellen von Statusindikationen, mnemonic labelling, automatische Problemdiagnose und verbesserte Videotelefonie, grafisch dominierte Splash-Faktoren.

Hier entsteht ein Projektionsraum, in dem sich Phantasmen, autobiographische Versatzstücke und verschiedenste Alpträume überschneiden, vermischen, wechselseitig verstärken oder auslöschen. Hier entsteht ein neuer akademischer Leuchtturm, ein Generalverdacht, ein Rüstungswettlauf, ein virtueller Turnierstall. Hier entsteht ein Netz von Beziehungen, ein nicht einlösbarer Erfolgszwang, ein unkoordinierter Wildwuchs, ein Druck zur Selbstentsorgung, ein panasiatisches Restaurant in urbanem Ambiente mit Lifestylecharakter.

Hier entsteht ein Markt mit allen Konsequenzen, ein Multi-Milliarden-Dollar-Markt, ein magisches Gewinndreieck im Nachhaltigkeitsdreieck, ein mythisches Elsaß: Feldarbeit, häusliche Szenen, endlose Plastikbahnen werden ausgerollt, auch im Wald sind Leute an der Arbeit. Hier entsteht ein Informationsblog zur landeskirchlichen Gemeinschaft in Plettenberg-Holthausen, ein neuer Baustein für Bayern, ein Rohstück für die Schneverdinger Schäferflöte, ein Forum für Sackpfeifenfreunde, ein Zukunftsmarkt, ein Schlecker-Markt, hier treffen sich Wissen und Qualität mit den Anforderungen der Zulassungsbehörden.

Hier entsteht ein Klangbild von Kalkutta, ein Online-Shop für professionelle Raumbeduftung, ein intensives Leuchten, das längere Zeit anhält.

Hier entsteht ein Szenario, ein fließender Eindruck, ein sog. Windkanal. Hier entsteht ein erbarmungsloses Bild der Gewalt und Mechanik postmoderner Sprachpraxis. Nicht, daß hier falsche Gedanken aufkommen: hier entsteht ein Verbot der Benutzung von verwechselbaren Zeichen. Hier entsteht ein Verstehensdruck. Hier kommt keiner mehr durch.

Hier entsteht ein Sendungsbewußtsein, ein Graubereich, ein Grundpfeiler, ein Gefälle, ein Funktionsmodell, ein Teil des Identitäts-Parcours, ein Konfliktpotential, ein Rückhaltebecken, ein Stück Synergie, ein Overhead, ein Teufelskreis, ein Bruch im Informationsfluß, ein Überschwappeffekt, ein Kampffeld von enormer Komplexität, ein Wasserfilm, auf welchem das Geschoß schneller und damit weiter rutscht. Hier entsteht eine Hightech-Endstufe, ein Gefühl der Sehnsucht nach sexuellem Verlangen, das nie erfüllt werden kann.

Hier entsteht eine Magerwiese, eine Benjeshecke, eine Pfostenlandschaft. Hier entsteht der Eindruck von Gefangenschaft: wir sind Gefangene des Textes, Häftlinge der Handlung, alles kann jederzeit hochgehen. Wir fragen kaum nach dem Warum, weil wir mit dem Wie so beschäftigt sind. Der Schnee läßt nicht zu, daß wir herauskommen, wir können nicht schlafen, obwohl das Licht schwindet. Der Blitz schlägt in das Signalsystem ein. Wir sind Gefangene des Hirns, der eigenen Denkstrukturen. Der eigene Körper ist uns fremd. Es gibt keine gerechte Lösung in einer monetischen Welt. Jedes Fenster, jede Tür, jedes Oberlicht ist vergittert. Es schneit im Inneren der Kabine. Die Nacht steht im Zeichen des Internet, der Tag bleibt ohne Bewußtsein – nur deshalb leben wir noch. Die Welt hat keinen Ausgang.

20. okt 2004


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last update: 14. sep 2007