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BRAINSTORMING

Zuerst sind die Pazifisten dran, deren Beseitigung freies Schußfeld schafft für den Einmarsch der stählernen Eulenarmee. Abends ziehen Wolken auf, dazwischen Sterne, Wolkenschatten streifen über Land. Erst keimen die Halme, dann bilden sich Ähren, dann werden Energien frei, und schließlich kommen die Tränen. Dann kommen die Straßengeräusche dazu, die Äpfel aus irgendwelchen Plantagen in Frankreich oder Südafrika, der Warenkorb ist gefüllt, Geld ist vorhanden, aber dann kommen Zweifel auf. Die Italiener gehen in Front, dann kommen die Finnen und die Polen auf der Innenbahn, dann die Assyrer, die Babylonier, die Juden. Dann kommen die Langobarden von Böhmen her, dann kommen die Steppenvölker aus dem Osten, die Singapurianer sind zum größten Teil Chinesen, dann kommen die Inder und Malaien. Europäer gibt es nur sehr wenige, die meisten können Englisch, der Rest steht in der dritten Reihe. Dann kommen die Jobs für die Armen, die Wahnidee der Kontinuität, und endlich kehren die Pariser mit ihren Autos aus den Sommerferien zurück. Dann kommen die Freunde und die Freundschaften, dann die Beziehung, das große Glück, die Träume von der Bullerbü-Erziehung und das Rollenideal, dann kommen die Kinder, die Protagonisten der transnationalen Proteste. Am Ende kommen die Putzfrauen, die mit den Putzmitteln die Umwelt versauen. Schließlich kommen die ersten, zaghaften Blätter heraus, ganz ohne Evakuierungspläne und Vorwarnung. Dann kommen die Gringos, dann kommen die Cops, zum Schluß die Klingonen und entern das Schiff. Wassermassen reißen alles mit, Boote fliegen umher, ein Tosen, Schreien und gewaltiges Krachen, Bombenkrater im Asphalt, eine ausgebrannte Tankstelle, eine zerschossene Stadtautobahn. Am Ende kommen die Reitermilizen, um ihrerseits den Stamm zu massakrieren, der an ihnen Rache übte. Endlich kommen die Profiteure auf die Bühne! Die Billigflieger! Die Handytarife! Die Babyboomer! Ideen von einer moralischen Welt! Die Klassenherrschaft! Die genialen Roboter aus Japan! Fenster fliegen auf! Endlich kommen die Eier, Larven, Puppen, Raupen, Schmetterlinge, Fliegen, Gottesanbeterinnen hochauflösend und scharf ins Bild! Die Tasten von Sega! Die Fastentage! Endlich kommen die Bären nach Hause! Die Kraniche sind zurück! Eine Warzenschweinfamilie trottet ans Ufer und auch Zebras wollen ihren Durst stillen. Zuerst baut man Straßen, dann fällt man die Bäume, dann verstummt der Wald; und mit den Bäumen verschwinden die Affen. Dann kommen die Chinesen und kopieren das ganze, dann kommen die Fingerabdrücke in den Paß, die Muscheln in ein großes Eiernetz und die Ruhrpottler zurück nach Heidelberg. Schließlich kommen wir nach Breitenworbis, Kirchworbis und Worbis. In Worbis fahren wir ein wenig herum, aber viel ist nicht zu sehen.

10. nov 2006


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last update: 14. sep 2007