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DIE GOLDSICHEL IM STERNENFELD

In den Zisternen, unter dem Baum, der schwankend seine Vogelschar entlässt,
zittern vor Kälte die Finger des Alls, zur Stunde, da die Löwen trinken gehen.
Im Traum über Mittag, mit Nacht bepackt, wiegt sich die Sonne, ein fettes Schaf.
Das Gähnen eines Kannibalen ist des Hungers Bruder. Die Dämmerung, vermehrt
von Silbertauben im Silberhaar des Regens, den ich liebte, und seiner Liebe,
schweigsam stets bedroht. Sinkender Schlaf bringt die Schatten zum Beben.
Abendlicht glimmt auf dem Strohhalm im Stall (nachtschwarz Kind, ein Funkendieb
das Meer), das Meer, von einem Hauch von Schlaf erleuchtet. Stille — ist ein Vogel,
dessen Flügelschlag die Luft wie einen Diamanten schleift, wie finstere Helle, die aus
Sternen fällt und Schatten wird im flammenden Aquarium. Der Tod, ein untiefer Bach,
verleumdet Seufzer, Fieberträume reißenden Wassers auf leerem Blatt, das die Weiße
verteidigt. Zwischen Abend und Nacht zieht ein Bär die Grenze, dafür, dass ich ihm
(der aus Übereifer sich tötete, der an Trägheit starb), eines Morgens begegnet bin.
Spinnen und Veilchen tragen sein Lächeln zum Brunnen, wo ich verdurste.

Montage von und nach Sätzen aus:
Felix Philipp Ingold, Aus dem Gedächtnis, Ein Hundert memorierte Verse (frz./dt.),
nach Georges Schéhadé (Moloko Print, Pretzien 2019).

09. feb 2020

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last update: 26. feb 2020